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„Nie wieder Deutschland? Nie wieder Staaten? Ja watt denn?!“

Wer kennt die Situation nicht, mensch ist auf einer Demo und aus der einen Ecke wird Nie wieder Deutschland skandiert und aus der anderen Nie wieder Staaten.
Vermeintlich ist direkt klar: die einen sind Antideutsche, die anderen Antinationale, AnarchistInnen oder Antiimperialistische KommunistInnen. Wir haben uns dazu ein paar Gedanken gemacht.

Ein zentraler Streitpunkt war, ob die Anti-Staaten-Parole überhaupt ein Ersatz oder nicht viel eher eine eigenständige Parole ist.
Der Punkt ist, dass „Nie wieder Staaten“ nicht (unbedingt) das gleiche ausdrückt wie „Nie wieder Deutschland“.
Beides ist erst einmal „antinational“, nur, dass die eine Parole insbesondere die „eigene“ Nationalität verneint, was ja auch in der Hinsicht sinnvoll ist, da damit das aufgezwungene nationale Bewusstsein abgelehnt wird. So zeigt mensch ganz klar: „Nein, ich bin nicht Deutschland!“.
„Nie wieder Staaten“ hingegen verneint ‚nur‘ das ebenfalls abzulehnende System. So ist „Nie wieder Deutschland“ sogesehen viel eher auf Antinationalismus bezogen, da es nicht nur das System an sich, sondern jegliche völkisch-nationalistische Ideologie ablehnt.
Und eben diese Ideologie war und ist es, die unter anderem Genozide und eben auch die Shoah ermöglicht hat. Nicht der Staat an sich hat 6.000.000 Juden industriell ermordet, sondern ein völkisch-nationalistischer Antisemitismus. Der Staat war das „Mittel“ und dafür steht für uns „Nie wieder Deutschland“.
Das heißt natürlich nicht, dass „Nie wieder Staaten“ keine sinnvolle Parole ist, im Gegenteil! Je nach Thema ist sie viel angebrachter, denn sie drückt nach unserem Verständnis einfach aus, dass wir einen gesellschaftlichen Zustand erreichen wollen, der Staaten überflüssig macht und überwindet, sodass keine BRD, keine USA und auch kein Israel mehr benötigt wird, sei es als herkömmliches Herrschaftsystem oder als Schutzraum.

So haben beide Parolen den Anspruch, dass in jedem Staat die Nation und andere Zwänge verneint werden, da nur, wenn Menschen sich gegenseitig als Menschen begreifen (und nicht als Mann/Frau, deutsch*/undeutsch, christlich*/ungläubig, normal/anders), eine solidarische, herrschaftsfreie Gesellschaft erwachsen kann.

„Nie wieder Staaten“ und „Nie wieder Deutschland“ sind so durchaus als gegenseitige Voraussetzung zu sehen, so wie Kommunismus und Anarchismus sich gegenseitig voraussetzen und zur Folge haben sollten, um die befreite Gesellschaft und das schöne Leben zu ermöglichen.
Beides sind Parolen, hinter denen mehr steckt, als man auf den ersten Blick denkt, und nicht jede ist immer angebracht.

In dem Sinne:
NIE WIEDER DEUTSCHLAND! – NIE WIEDER STAATEN!

(*beliebige Nation, Religion, etc.)




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